Ich versuch mich an den Namen eines Schriftstellers zu erinnern - der Nachname beginnt mit Ur oder Uhr oder so? Den anderen Teil des Namens hab ich komplett vergessen. Verdrängelt vielleicht. Vergesslichkeit ist aber kein Nachteil. Romantische VielSchreiberei ist mir einfach unverdaulich und stößt mir nun mal anscheinend wieder ums Verrecken nicht auf. Ein Roman könnte ein Bild, eine Verdichtung sein, eine Erinnerung, die gedreht und gewendet werden muss. Ein Roman, eine Erzählung, ist manchmal eine Schöpfungsgeschichte, bei der man versucht, einen eingebildeten Menschen, den erdachten Protagonisten, aus sich herauszuschneiden, wie Adam sich ein Rippchen aus dem fetten Schwein. In der Wirklichkeit jedoch wird ein Mensch aus dem Leib eines anderen Menschen gerissen und nicht aus dem Schenkel des Zeus. Aber das verträgt eine Geschichte nicht. Der Vater im Urteil ist der Urheber der Geschichte und der Autor oder - Betrüger, sein angeblicher Freund. Der Sohn hingegen versucht sich gegen den alten Geist als reiner Leib niederzuschreiben, mit der doppelten Kraft seiner Hände und verfünffachtem Vermögen (Vater, Sohn und Heiliger Freund und zwei Spalten am Weib). Der vorgeschlagene Zimmerwechsel ist ein Versuch der Befreiung. Der Sohn will in die leibliche russische Dunkelheit, er will tief hinab hinein ins Grab zu den Müttern (wie schon Goethe einst), in die unvermittelte Leiblichkeit. Georg ist der Autor als Spaßmacher, die unvollkommene Lust mit Bewusstsein der Übelkeit. Als Leib ist er leider immer nur Mittelglied zwischen Herz und Verstand, das immer zwischen sich und dem Vater hängenbleibt. Er will ins Hinterzimmer, aber gleichzeitig selbst nicht hintergangen werden. Der Vater soll nach vorn und Vorfahr sein, hängt aber selbst verliebt an der U(h)rkette. Er soll ins Bett des Nachfahren. Georg ist eigentlich Kind und allein, aber eigentlicher noch Teufel und alleiniger. Georg und sein Freund sind das Paar 'Einziger und Allein'. Textleiblichkeit. Für den tragischen Spaßmacher, der sich einen Freund erschaffen hat, ist der Text oder Brief an den Freund Ort maximaler unvollkommener Vereinigung mit dem Leib. Damit ist er nicht homosexuell, sondern die Lust an ihm ist befreit für ein Theater, das die Welt richtig stellt bis sie in ihren Elementen nicht mehr zusammenhält - und er endliche fällt. Die Kommödie des Vaters, der offensichtliche Betrug, stößt den Autor hinaus in die Lächerlichkeit. Langweilig belächelt er sich hilflos am Fenster vorder Öffentlichkeit. Der Autor als Leib ist einerseits auf der Flucht vor sich ausgeschieden bloßgestellt und abstoßend und 'kommt' andererseits oder hintersinnig für alle oder vor allem für sich selbst in einem Auto. Narziss oder Ödipus: das Paar Stuss und Schluss. Text Flucht Brücke und unendlicher Verkehr hängen der unvollkommenen Leiblichkeit an, wie alle Männer am Arsch der toten russischen Alten, Mütterlichkeit. Darum ist auch die 'Ejakulation' mancher Bedeuter nur ihr außerhalb des Textes deutlichst sichtbares Unbewusstes: Russland hat dir die Krim gestohlen, widerliche Gans, jetzt tropft die Wahrheit von der schwindelnden Glans. Alles Unbewusste ist nur ein Wirkliches, lang vertrocknet und verkrustet, wie der Dreck in Vaters Unterhose. Ein anderes Unbewusstes als dieses ungeschriebene Wirkliche, vergangene tote Sinnliche, gibt es nicht. Das Schreiben birgt es und die gewesene sichtbar verwesene Wirklichkeit ist es. Es ist der Rest ihres ganzen endlichen Verkehrs, des alten und elterlichen. Übrigens steht im Text auch, dass Wollust und Hunger zusammengehören: und er hält am Ende wie ein Hungriger die Nahrung seine Stange nicht von ungefähr und allmählich schwächer werdend. Jetzt passt der Widerstand auch nicht mehr. Adieu!, Analytiker. Die Brandenfeld ist ein Nebenschauplatz des Kampfes. Die Frieda schiebt der Schreiber gedanklich vor sich her wie Moses seinen Brennenden oder unangenehm auch hin reißenden Dornbusch. Fräulein Dorn hört mich nicht mehr, sie hat ihren eigenen Brand. Sie ist der allgemeine Verkehr, die vollkommene Leiblichkeit: er macht sie dem Freund zur Freundin, dem Vater überlässt er sein Bett - wohl mit ihr - und mit seiner Hand. Die Frau verdreht auch das Urteil: als Bedienerin am Ende hebt sie die Schürze und ist für den Mann VorTeil und als widerliche Gans ist sie die vollkommene Ganzheit Eva als Ausgangspunkt der Geschichte (für Felice Bauer und die Braut als aufrichtige Freundin im Text) und für Adam ein Abfuhr. Ein Weib geht immer aufrecht und der blöde Hund hinter ihr her. Sie kehrt die Schöpfungsgeschichte um und ist Anfang und Ende des Schreibens: sie ist Omnibus, unendliche Verkehrstüchtigkeit, also da für alle - Leider und nicht für die eifersüchtigen Neider.
Ich neige mir Kafka zu und wende mich gegen jede simple Deutung des Menschen oder seine HinDeutung zu religiös-übersinnlichem Schwachsinn oder Umdeutung in blöden psychoanalytischen Hintersinn. Ich halte mir meinen Arsch frei für eine andere große Bedeutung.
Kafka ist ein Brüller/Lärmer. Ipsist und Autist? Hat den Vater der Urhorde als Uhr-Vater und Liebling an eine vom Sohn ausgehende Kette gehängt. Hund vielleicht? Er legt sich gegen jede Fortpflanzung den Vater ins eigene Bett, aus dem Hinterzimmer, Schatten, Hinterhof und großmächtigem Dreckloch heraus nimmt er die Impotenz und Gebrechlichkeit, und schiebt sie nach vorn unter sein künftiges Weib. Armes Deutschland, hast du eine tolle Gerechtigkeit. In der Geschichte deckt jeder jeden in jeder Hinsicht, deckt zu und versteckt. Allein die Frauen scheinen nichts zu verbergen zu haben, sie decken nur auf: heben die Schürze und das Kleid. Sie sind gescheit, nicht gescheitert. Der Schamlose, aus der Wunde am Schenkel des Mannes, also ohne Scham geborene, Dionysos, steckt in allen Männern der Geschichte (als der VielNamige: Vater tanzt und flötet, Sohn stürzt sich ins Wasser, die Zweitgeburt, der Freund und abgerissene Doppelgänger, die verheimlichte unheimliche fremde Wunde, brotlose Kunst, Petersburg, FelsBlog). Georg rennt beim Untergang an der SchamHaft vorbei, an 'Jesus!', dem schamhaften widerlichsten Ekel und Gegenstück des Dionysos. Weg vom 'Miststück' der Braut, der Natürlichkeit, der 'widerlichen Gans' und vorbei am größten Idioten in der Geschichte der Menschheit, hin zum eigenen ewigen Leib? Weiblich frei und männlich daneben verdichtet und Freud. Er läßt sich fallen am ewigen Verkehr, der wie ein leibliches Kunststück, turnusmäßig schriftlich berfreit, und nicht mit dem kristlichen Erlöser an der vorderen Scham der blöden Unterwürfigen blöd auch stöhnend und rauschend taub haften geblieben ist. Mit dem 'ich hab euch immer geliebt' und der Elternschaft ist es endgültig vorbei. Wer Kafka anders liest, kann mich gern mal bedeuten oder sich kreativ an seiner Alten mal überrumpeln.
Nocheinmal deutlich auch: der zufällige Schwangerschaftsabbruch ist eine natürliche Folge der uranfänglichen Not als Grund des Menschseins. Und die Tollheit des Alten, der Tanz auf der 'widerlichen Gans', ist Patriarchat und Gewalt gegenüber Frau und Kind (Vernichtung von Sohn und imaginärem Freund). Der Freund hat natürlich eine Doppelrolle als Unschuld des Kindes und Zipfel des Alten. Als Vertreter des Vaters im Text kurz zurück: ist der Freund nicht verraten oder vergessen, wie ein kurzer Faden durchs Nadelöhr gezogen, ein blödes Versagen. Die Folge steht noch einen Satz drüber: G. will nicht (wieder?) von hinter her und oben herab überrascht werden. Das gehört doch zum Brüller wie das unheimlich stille innere Lachen. Das verlorene Ungeborene gehört notwendig zum aufrechten Gang beim vorausseilenden Weib. Die blutige Päderastie gehört zum hinterrücks spät in der Geschichte der Menschheit erst 'aufrecht' im Geist gehenden Mann. Das ist der Unterschied von langer Vorgeschichte und kurzem Patriarchat.
Und jetzt fällt mir endlich der Ortheil wieder ein. Es spricht manch einer nicht, der nur nicht mehr hören will. Wie wird ein abgerissenes Ohr wieder heil? Ein großer Riss führt immer nur zu einer großen alten Spalte. Rein in die Spekulation, Spekulatius' Spekulum.
Der schreibende Leib
entweder sitzt er und schreibt oder er rennt und denkt. Wenn er sitzt, konsumiert er nur, ist ein Schmarotzer oder gefangener Verbrecher. Dann träumt er und schreibt seine Träume auf. Wenn er rennt, ist er auf dem Weg zur Arbeit und hat es eilig wegen der verfluchten Pünktlichkeit. Wenn er rennt, hat er aber ständig auch Einfälle, die ihm alles Denken umstellen, eine eigene Art von Intuition, ein zwanghaftes Wenden der Vorstellungen. Wenn er konsumiert und arbeitet folgt er einem fremden Geist, der ihm zweckmäßig zu sein scheint. Wenn er seine widerlichen widersprüchlichen Gedanken niederschreibt, ist er fast vollkommener Leib. Wenn er im Rennen wider sich denkt, ist er für einen Moment ganz von sich frei, ein freier Geist. Im Großen und Ganzen hat der schreibende Leib ein doppeltes Kreuz: er ist Geist, der sich die Freiheit nimmt und leiblich rennen muss und er ist Leib, der anders denkt, als der Geist es will, er erzwingt den Leib im Text und erträumt in diesem sich eine andere leibliche Wirklichkeit. Der Text ist ein sich vom Geist unaufhörlich los schreibender. Er ist ziemlich geistlos vielleicht - eine Narretei?
Der schreibende Geist
ist ein Weib. Sie denkt, wenn sie schreibt, reimt sich die Wirklichkeit einfach leiblich zusammen. Sie sitzt gern bei der Arbeit und auf dem Weg dorthin. Sie fährt und liebt es im Sitzen zu schreiben. Sie denkt die soziale Wirklichkeit und schreibt sie einfach nieder. Im Text kreuzen sich einfach nur gesellschaftliche Ereignisse mit ihrem vollkommenen Leib. Ihr Text hat auch den verdienten Gehalt eines schreibenden Leibs. Er ist begeisternd und begeistert vielleicht.
Das doppelte Kreuz
der Mann hat ein doppeltes Kreuz in leiblicher Betrachtung, er hängt ja hinten wie der Buckel am Weib. Er hat ihres nach unten so prächtig breites und hinter sich keilförmig seins. Er ist der wahre Gekreuzigte, der den Wahnsinn der männlichen Wirklichkeit durchschaut, niederschreibt und ausschließlich den eigenen Leib befreit. Er lässt sich fallen in sie für den ewigen sinnlosen Kreisverkehr. Der geschlechtliche Gegenverkehr ist die männliche Falschheit und führt nur zum langweiligen Neuen und dem Ausscheiden der närrischen unschuldigen Kindheit und ewigen sich blöd konsumierend noch erneuernden Teufelei.
Das einfach Kreuz
aufrecht geht die Frau in die Welt der Menschen hinein und hat niemanden vor sich. Sie ist aus der Sicht des Mannes vollkommen und hat auch nur ein einziges Kreuz, an dem hängt das geschätzte Hinterteil der Angebeteten im gemeinsamen Augenblick. Gelegentlich weist sie ihn von sich, dann ist sie nur sie selbst, ist lebendig, gebärt, bluterfüllt oder spendet Blut. Saftiges Leben.
Das neue doppelte Kreuz im Reich der Zeichen #
wenn sich der Mann ganz abwendet von Weib, hat er das zweite Kreuz als Zeichen bei sich. Das ist das Kreuzzeichen, das ihn verwundet (für das Mitleid) und das blutig den anderen zugewendet (Bendemann – Wendemann) auf der Hand liegt und offensichtlich ist ein Zeichen der Gewalt (Mission). Der Grund für das Mitleid erzeugt sich stets selbst durch die blutigste Grausamkeit.
Es hilft nichts
alle müssen hin zu einem anderen Leib. Auch mit dem Textleib noch muss sich ein Weib erst den Hintern wischen.