Donnerstag, 8. Mai 2014

Bitter

Bitter ist die Bitte der Armen, das Betteln um ein Ende des Sterbens, den gnädigen Tod, die Erlösung vom mickrigen Leib.

Bitterkeit: Preis der Spende der Überheblichkeit. Almosen im Überfluss am Rand der Verzweiflung, die man aus einem bodenlosen Fass voller Hoffnung selbst noch mühevoll schöpfen muss.

Die Rede der Schakale hat einen bitteren Nachgeschmack. Die Bitterkeit gehört nämlich zur Lüge, zur WarenGesellschaft und Oberflächlichkeit, Hierarchie, zum Dreieck aus Wertgegensatz und Überwert, zur Überheblichkeit Unterwürfigkeit, Rückübersetzung des Textleibs in dingliche Körperlichkeit, zum Buch der heilig widersinnigen Zeichen mit dürrem Übergeist, zum Gegensinn unter regierendem Schein, zur Unterordnung des Leibs unter Zeichen- und WarenProduktion, hilflos wissenschaftlicher Analyse und hämischem Grinsen darüber schwebender gelehrter Lächerlich / keit. Flaschen kann man nicht die - Hälse zerschneiden? So denn: köpfen?

Es gibt schon spürbar leibliche Zeichen im Text, die verklemmten Zähne, die Verbissenheit der jungen Schakale. Erst wird von der Maschinerie das Fleisch zerrissen für die gläubigen Hingabe der dämlichen Hunde, dann die Knochen gereinigt zermalen für das Einseifen der hirnlos Begeisterten, am Ende werden von rostigen Rädchen noch die Zähne zerbissen. Opferfleisch, K. verdichtet mit Lamm. Der Autor erholt sich den Leib aus dem ihm fremden Textkörper. Da hat man nur mehr einen, mit Seele, die mann sich nicht mehr aus dem Leib schrei(b)en kann. Wir sind der Zeichen leid – und beziehen uns nur mehr auf uns selbst als Leib. Wir pumpen uns gierig wollüstig leiblich rein für einen unauslöschlichen Brand. Geist wird Seele uns und Text Leib, wir wickeln uns in den Leser ein: die ausgefallene Geschichte will jetzt endlich richtig erlesen sein. Die Sprachbilder haben keinen tiefen oder noch tiefer triefenden Sinn, sie sind nur einfache Wörtlichkeit, Textleib ist keine vordergründig unverschämt zahnende Hohlheit, eine dichte Wortsinnlichkeit brennt sich allen hinterrücks sichtlich ein. Zwischen Rausch und Ohnmacht, Unterwerfung und Arroganz stößt der schmutzigsten Demut in höchster Reinheit eine Schlagader auf: das Kamel aus der Wüste, die tote Schrift, der Leichnam hoch und heilig verbrochen zu Berg, haben noch Le'm, Leben dem Anspeien, Augen Zwinkern Spott zum Winkel. Eine Schlagader pumpt sich 'rein' in die Erde, schlägt Wurzeln und saugt sich Leben (r)aus: da ist keine Erkenntnis kein Bewusstsein und keine Sünde und Sinn darin: nur ein Leib und das Leben mit ihm selbst, kein faules Wissen, sondern nur die unbedeutendste leibliche Faulheit. Vor dem Untergang der Mensch/heit erscheint dieser eine absolut unbedeutende große Leib als unpersönlicher Text mit Hunger nach sinnlicher Sinnlosigkeit und – höchst befriedigtes leibliches Zeichen: Blum – Klump - Klämm. Es gibt keinen weiteren Zeichenleib für irgendeinen Gebrauch.

Odradek übrigens ist ein geknicktes Blümchen, über das die Erntemaschine dahin gerast ist. Dahin ist die Unschuld. Die Blüte sieht aus nun wie ein Gebiss, dem die Zähne falsch nach außen gerichtet sind für die geräderte Heiterkeit. Künstliche Fröhlichkeit. Sinnfressende Narretei. Stoß doch zu, BlödMann, mit dem gelehrten Bedeuter ins Nichts deiner Lächerlichkeit. Ein kleiner Knix für ein Weibchen war es - und ein großer unlösbarer RätselBruch für die Männschhait. Ihr Spott also ist - seiner Impotenz Abraten - Odradek?

Wie leicht es vorankommt mit seinem gebrochenen Spinnenbein. Elf von Ritz kurz vor zwölf. Und wie mühsam doch schiebt der SinnGeber seinen alten Zacken hinter der verlorenen Krone her. Das MerkLzeichen ist die körperliche Scheinüberlegtheit weit weg gerückt vom geraden Leib (und gehört dem falschen 'Bewusstsein' des Unterleibs - dem 'Unbewussten' des dämlichen Geists - als gäbe es einen Leib noch u n t e r dem Leib - das ist doch ein männlicher Wunschtraum - es gibt nur einen kleinen neuen darin und den mächtigen Alten bescheiden dahinter - mit dem Unbewusste seiner dreckigen Unterwäsche). In einer Textleiblichkeit wäre sie leicht jäh von jeder der Männlichkeiten befreit. Dort ist es ihr unfassbar und leider vielleicht unverkrampft Zeichen der gemeinsamen vereinigten (ehelichen) - Ohnmacht.