Mittwoch, 7. Mai 2014

Textleib

Die Geschichte beginnt mit der menschlichen Sprachleiblichkeit. Sie wird verwandelt in einen Textkörper voller Zeichen durch die SprachFaulheit. Wenn die Welt nur mehr aus Zeichen/Waren besteht, erfasst der Textkörper wieder den Leib. Er nimmt den Autor ganz auf in sich, verdichtet wirr scheinbar sich mit ihm, und die Geschichte dreht sich. Jetzt muss man nur noch die Zeichen erkennen und rein leiblich wieder verwenden. Das macht die Traumdeutung nicht, sie übersetzt den Leib ins Reich der Zeichen zurück. Kafkas Schreiben ist so traumhaft wie unbedeutend er als bescheidener Leib – leider. Der Leider ohne Grund ist das, was bleibt vom Leib, wenn dem Geist der Wunsch die ganze Zeit vertreibt.  

Die Geschichte ist also 'ausgefallen'?: ist ungewöhnlich einerseits und andererseits vollkommen sinnlos geworden. Die große und die kleine. Sie hängt so 'unsinnig' fest: unglaublich und ohne Sinn wie die alte Schleppe zwischen gut und schlecht, Rock und Hemd auseinander- und runtergezogen wie Jacke und Hose bis auf die Knöchel, vielleicht abgenagt.

Für die Bedeuter: der Signifikant verteilt sich über den ganzen Text wie das Herzblut von Autor und Leser und das Signifikat liegt als Schleppe, Aas, totes Kamel, Fremder rücklings, der schmutzige Araber, der graue Bart noch und die Achselhölle, ein Leichnam hoch zu Berg … am Ende liegt das Blut erlöst in Lachen da: und der Körper war an mehreren Stellen weit aufgerissen: nämlich vorn und hint: das hat wohl ein Brüller jede Verstopfung gelöst, dem Hirn und dem Leib.

Sprachleib ist ein grundsätzlich gespaltener (weiblich) und zerrissener (männlich). Im Zeichenreich, Textkörper, wird der Hirnriss zum (männlichen) Übersinn und sein (weiblicher) Gegensatz zum nachgeordneten Grund. Den Gebildeten hab ich ihr 'Unbewusstes' in Klammern gesetzt. In den Textkörper hat sich auch der Leib vollkommen einwickeln lassen (wie der Araber in sein Weiß oder kommendes Wissen, ein Blatt, das vom Gewissen noch nicht beschmutzt oder beschriftet ist).

Jetzt müssen wir nur noch den Leib zerreißen und im Text verdichten. Das ist ein anderes Schreiben, das den Text will oder (vel) sich in ihm dreht und wälzt.

Aus dem Text fällt der Leib dann mehrmals gewendet gut durchgebrannt sozusagen heraus.

Araber und Hebräer sind vom Wortsinn her alte Sprachbrabbler oder -stammler im hemmungslosen Selbstverstand und fallen bei Kafka beide mit dem Brüller des Autors in Laute Nacht rein. Wer dem anderen eine Grube gräbt, dem macht er vielleicht auch rein. Für diese Reinlichkeit geht der eine mit der Schaufel vorn in die Wüste und der andere hinten hinaus in die Nacht.

Was ist Gott doch? Der Leib spricht zu dir, eh er ihn macht, und du gehst schweigend für die 'Geburt' dann hinaus in die Nacht.

Humor ist bei Männern und Frauen verschieden: Mann verlacht seinen ganzen Stolz und Frauen über ihn und jeden Furz. Ein Mann mit Humor, liebe Frauen, ist wie ein kuschliger Ritter in voller Montur. Ein lächerliches Missverständnis.

Sprechende Tiere sind die fremde Sprache im Text, die Schriftsprache ist dieses Vieh, das Sprechen selbst, das immer dem blöden Text sich schriftlich Widerstand leistet. Ist der Text aber Leib, sind die Tiere in ihm der sinnfrei unbefangene Sprachleib. Sie fallen her über das Kamel, wie die Lächerlichkeit über den Gelehrten. Im Text als Leib ist das abstrakte Sprachzeichen (aus Schrift und Ware, also dem eitel An- und Ausgepreisten) verwandelt in allen Dreck der ehrenbehafteten Vergangenheit, nachdem es den Leib nur mehr wirklich hungert (beim Schreiben) und mitdem zugleich sich eine wollüstige Befriedigung verbindet in greifbarem Sinn und tiefer fassbarer sinnlicher Wirklichkeit (neuer Unsinn unter Sinn). Damit fasst Kafka beiläufig auch das Christentum wirklich an: 'der Leichnam hoch zu Berg', das Aas, das tote Kamel, ist ein toter sprachlicher Sinn in alten Worten, die dem Autor im Texleib schriftbildlich nur echten Hunger bedeuten und wollüstige Sinnlichkeit versprechen. Damit ist dem HinterSinn endlich jedes Kreuz gebrochen und über einem perfekt runden Arsch (als verwirbelte Säule) neu aufgerichtet. Die Jesussage könnte eine Geschichte der Lüge (in Paulus Briefen) sein. Und der Araber ist darauf 'rein' gefallen. Das Buch der Araber ist daher wie die Bibel ein Buch großer Reinheit, eine Rückübersetzung der schon verleiblichten Geschichte. Ich will nicht selbst noch deutlicher werden und in den Topf der Erlösung greifen. Soviel Wasser hätte der Nil nicht, um die heiligen Blätter von der Trockenheit des lange Ausgedruckten zu befreien.

Wie nah an der Wahrheit war der Mensch dran, als mann sich ans göttliche Kreuz für die höchste hündische Vereinigung mit sich selbst gehängt hat. Das ist nun aber wirklich keine durchschnittliche MitTeilung mit der kleinen Nähschere mehr. Das ist mehr noch als die Befriedigung des Gehängten, die ihn befreit aus dem vergitterten Loch. Sie allein befreit alle Löcher von Mann und Weib zugleich von jeder heimlichen Bitterkeit. Da wird aus allen Rohren gefeuert geraucht gespeit, der Leib gereinigt für ein Leuchten von innen, ein herzliches Lachen Blut durchströmter Sinne. 

Die Araber haben sich die Geschichte Kafkas zu eigen gemacht, wie die Schönheit im Sack. Das ist die 'reine' Wahrheit, sie stinkt kaum mehr, so steril und gut eingepackt.

Sprache widerspricht Tier, der Mensch will nicht den Willen des Tiers zur Lust und zum Hass. Der Mann will im ewigen Zwiespalt sein mit einem leeren gelähmten Willen für das Gute und für das Böse der höchsten verbotene Wollust. Das Tier ist Sprachleib, und das gezeichnete Tier ist ein erstes totes SchriftZeichen. Die ersten Zeichnungen sind Textleib und wickeln den Tod ein. Jede spätere Schrift, noch die der Wissenschaft in abstrakt-mathematischen Zeichen ist blöde Rückübersetzung des Textleibs ins (Zukunft-)Gläubige und Religiöse (Zufällige), eine Wiederbelebung von köstlichem Aas, blutig triefender Vergangenheit. So erhält mann sich Glaube und Wahrheit.

Glaube und Zufall sind die perverse leibliche Zugabe zum Reich der Zeichen. Die Maschine verleibt sich so den Menschen ein. Glaube ist Vergewaltigung im Geist und Zufall falsch leibliche Hurerei.

Religion ist nicht urmenschlich, sondern ausschließlich eine Folge verlogener äußerer Zeichen. Die gibt es da nicht mehr, wo der Leib den Text ganz überwindet. Kafka ist der religiösen Verblödung der Menschheit entwischt.

Der Araber bei Kafka ist genau da 'rein' wo Adam raus ist: aus dem Arsch eines Weibs. Das Paradies war in Wirklichkeit ein Ort des Hungers nach Worten für die tolle Wollust im Verwesenen.

Der fremde TextKörper in abstrakter Betrachtung verdichtet die Muttersprache in der Schrift, ist ein Brief auch (die Schleppe, an der die Zwietracht hängt, Gut und Schlecht, verbissen die beiden jungen Schakale), der ein falsches Sprechen transportiert. Der muss erst gewendet werden, dem muss der Empfänger nicht nur deutlich widersprechen. Er muss ihn als furchtbarste Teufelei leiblich nehmen - wie Franz von Assisi hungern und sich wollüstig mit Pflanze und Tier vereinen, sich fortpflanzen vom Lebenswillen. Franz war leider ein Leib und so gar kein heiliger.

Der Brief muss erst als Roman von der Mitteilung weggerissen sein, sonst zeugt er nur den irren Glauben und reinen Größenwahn.

Einen unvermittelten Willen zur Lust und zum Hass kennt nur das Tier. Die Rückübersetzung des Leibs in eine falsche körperliche Reinheit macht den Menschen dem Tier scheinbar wieder gleich, er wird zum Tier ohne Leib: er hasst sinnlos und hat statt der Wollust die vornehme im Wunsch lose Heiterkeit eines Mörders dabei. Nur ein Irrtum kann so einfach bös-gläubig überheblich und zugleich voller lustiger guter viehisch schwachsinniger Leichtigkeit sein.

Die kleine Nähschere am Eckzahn des Schakals ist das Zeichen des Mannes für die Weiblichkeit: ein Dreieck mit Spalte, ein verkehrtes Delta, gedrehtes Zelt. Das ist ein Zeichen ohne Bedeutung. Und in die kleine Bedeutungslosigkeit setzt der Mann gern sein großes Zeichen ein? Die Überheblichkeit. Was haben die Physiker denn schon erkannt?: den Kern der dreifach genagelten Lustlosigkeit? Das ist eine Nagelei ohne Ende. Oder haben sie in fernster Ferne das Loch der zufälligen Sinnlosigkeit gefunden, des Unsinns und der sinnlichsten Wollust - in einer unendlichen Melodei? Da hebeln sie den Selbstwiderspruch Einsteins mit einer ziemlich blöden deutschen Mechanik aus! Soviel Wasser hätte der Nil nicht ... für dieses trübe bösartige Überwuchern des Sinnsprungs. So fängt eine Krankheit im Geist den verlorenen Sinn wieder ein.

Das Loch ist gespalten für die Frau eines der leiblichen Befreiung! Für den Mann ist es das große Leid der hässlichen speienden Übelkeit.

Die Alte Schrift (die unglaubliche Erzählung des alten Schakals) war eine Rückübersetzung und nochmalig Verkehrung des Textleibes. Märchen, Heilige Bücher, scheinbar sinnliche Textkörperlichkeit. Jede Rückübersetzung der Zeichen ins Sprachliche erkennt die Sprache als Widerspruch gegen den tierischen Leib: und bewundert die große Lust und den Hass der Tiere. Wunderbar sind die Schakale dem Araber im Raub der Liebe.

Das Weib hat in seiner leiblichen Vollkommenheit etwas vom Tier mitgenommen zu sich, von dessen Leben, Willen und Wut sich die leibliche Glut erhalten und von der Pflanze übrigens und endlich sich die blühende Schönheit. Sie ist die wunderbare freie GleichGültigkeit, die der Mann sich als Hass herausnimmt.

Ein Textleib muss aufgelöst werden ins rein Leibliche, es auffressen, selbst also Hunger und Wollust zugeführt werden. Vergeblich hält die Analyse den Fall auf die Dauer. Das Schreiben muss zu Ende gehen.

Die falschen Bedeuter nehmen die Rückübersetzung des Texleibs vor. Wo parken die denn rückwärts ein!? Hunger und Wollust werden verleugnet, verdrängt in ein fremdes Unbestimmtes Ungewisses, ein geistreiches Jenseits des hohen (nördlichen) Sinns und der Reinheit. Norden = Morden. Die sprechenden Tiere sind dem Deuter dann Untermenschen (insbesondere die 'seelenlosen' Frauen - eigener Geist ist anderer lose Seele) und stehen im Gegensatz zu den männlichen Menschen der 'reinen' Schrift. 'Reinheit' ist leiblich so gut möglich wie ein Jenseits und göttlicher Grund oder Geist. Hat mann das richtig verstanden? Die leibliche Reinheit gehört dem Heiligen, der niemals hungert, nie frisst und nie scheißt. Bilder davon gibt es genug in der Öffentlichkeit. Damit muss mann doch verständigst sich seine für den gesellschaftlichen Verkehr gepflegte falsche eingebildete Weiblichkeit abwischen.